Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2004 und der damit verbunden Neubesetzung des Landtages trieb es vor allem einige langgediente Abgeordnete um, die nun nicht mehr im Landtag im Kreis ihrer ehemaligen Kollegen saßen, sondern sich nur gelegentlich und mehr zufällig trafen. So ging es auch Dr.h.c. Wolfgang Schultze durch den Sinn. Der ehemalige Werkzeugmacher, von der Jugend an jahrzehntelang hauptberuflicher Gewerkschafter und seit 1974 fast 30 Jahre SPD-Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags, wollte gern, dass ausgeschiedene Abgeordnete "im Spiel bleiben", dass sie ihr brachliegendes Fachwissen sowie ihre ungenutzte Erfahrung wieder nutzbar machen und sich parteiübergreifend zur Verfügung stellen; beispielsweise durch Diskussionsveranstaltungen in Schulen über das parlamentarische System. 

Rückblickend sagt Dr. h.c. Wolfgang Schultze, die ehemaligen Mitglieder das Parlaments bleiben für die Öffentlichkeit immer noch Repräsentanten des Parlamentarismus. Sie sind für das persönliche Umfeld immer noch jemand, der mit der Politik zu tun hat. Dadurch erwächst auch mit dem Ende der Mandatszeit eine gewisse Verpflichtung mit entsprechendem politischen Verhalten. Ferner kommt es in unserer heutigen Mediendemokratie umso mehr darauf an, dass sie mit ihrer Arbeit einer Politik- und Parlamentsverdrossenheit entgegenwirken und das Prinzip unserer Regierungsform weitertragen. Dabei können sie mit ihrem Engagement die Arbeit der aktiven Abgeordneten und ihrer Gremien unterstützen. Und wie geht das besser, als in einer Parlamentarischen Vereinigung!

Dr. h.c. Wolfgang Schultze traf mit dieser Idee glücklicherweise zwei noch aktive führende Politiker, die beide zu den langjährigsten und erfahrensten Parlamentariern Niedersachsens gehörten, den neuen Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer (CDU) und seinen Vizepräsidenten Ulrich Biel (SPD). Diese drei "alten Recken" können sich getrost als Väter der Parlamentarischen Vereinigung Niedersachsen e.V. bezeichnen. Nachdem sich auch das Präsidium des Niedersächsischen Landtags eingehend mit dem Thema der Gründung einer Parlamentarischen Vereinigung befasst hatte, erhielt Vizepräsident Ulrich Biel den Auftrag, unter Mitwirkung der Abgeordneten und Schriftführerin Georgia Langhans (Grüne), des ehemaligen Abgeordneten und Rechtsausschussvorsitzenden Albert Heinemann (CDU), des früheren FDP-Fraktionsvorsitzenden Martin Hildebrandt und Dr. h.c. Wolfgang Schultze (SPD) sowie MR Heinrich Rasche von der Landtagsverwaltung einen Satzungsentwurf zur Gründung einer Parlamentarischen Vereinigung Niedersachsen zu erstellen.

Diese Satzung wurde auf der Gründungsversammlung im Landtag am 19. April 2005 genehmigt, und legte den Grundstein für eine mittlerweile 10jährige Erfolgsgeschichte der PVN.