Vermerk über die aktuelle Situation des Volksbundes Niedersachsen aus Anlass des Besuchs der PVN in der Jugendbegegnungsstätte des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Golm auf der Insel Usedom am 16.09.2013

Der Volksbund befindet sich in einer finanziellen Dauerkrise. Er ist mit der staatlichen Aufgabe der Anlage von deutschen Soldatenfriedhöfen im Ausland, deren Pflege und Angehörigenbetreuung betraut. Seine Finanzierung von etwa jährlich 40 Millionen Euro wird zu 80% aus Spenden, zu 20% aus Mitteln des auswärtigen Amtes gewährleistet. Da die unmittelbare Angehörigengeneration (Kinder der Gefallenen und durch Kriegseinwirkungen Getöteten) inzwischen selbst ein hohes Alter erreicht hat, nimmt die Spendenbereitschaft kontinuierlich ab.

Für das Inland nimmt der Volksbund beratende Funktion gegenüber den Friedhofsträgern ( in der Regel Gemeinden und Kirchen) wahr. Das Bundesinnenministerium gewährt für die Pflege im Inland für jedes Kriegsgrab gut 20 Euro. Der Volksbund ist innerhalb Deutschlands nur für die Kriegsgräberstätten auf dem Golm und in Halbe südlich von Berlin Träger.In ganz Deutschland gibt es mehr als 15 000 Kriegsgräberstätten, in Niedersachsen 1370. Das sind nicht nur Gräber deutscher Soldaten, sondern auch gefallener ausländischer Soldaten (u. a. Briten, Polen, Ungarn etc.), und vor allem Gräber von Kriegsgefangenen aus der ehemaligen Sowjetunion, KZ- Opfer, Polen, CSR , Zwangsarbeiterinnen, Bombenopfer, Vertreibungstote, Zwangsarbeierinnen- Babys u. a.

Da die völkerrechtliche Verpflichtung besteht, diese Gräber auf Dauer zu erhalten und die bekannten Namen öffentlich zugänglich zu machen, stellt sich für den Volksbund die Frage, ob es neben der Kernaufgabe der Gräberpflege nicht auch die Verpflichtung gibt, die Grablagen als Lernstätten im Sinne demokratischer Friedenserziehung zu machen. In einem umfänglich vorbereiteten Diskussionsprozess hat die Bundesdelegiertenkonferenz des Volksbundes vor einem Jahr beschlossen, die Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Schülerinnen /Schülern zum zweitem Aufgabenschwerpunkt zu machen.

Der Volksbund kann dabei anknüpfen an eine 60jährige Jugendbildungsarbeit in Workcamps und Jugendbegegnungsstätten. Davon betreibt sie neben der auf dem Golm eine in Niederbronn im Elsass, eine in Lommel in Belgien und eine in Ysselstein in den Niederlanden. In Niedersachsen hat es seit 12 Jahren in einem Versuchsprogramm dafür 4 Schulrefenten gegeben (Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Braunschweig). Diese Schulreferenten besuchen Schulen, sprechen Lehrerinnen und Lehrer an und bieten ihre inhaltliche, methodische und organisatorische Hilfe in der Arbeit auf Kriegsgräberstätten und ihre Bildungspotentiale an.

Der Volksbund in Niedersachsen arbeitet inhaltlich mit den einschlägigen Lehrerverbänden (Deutsche Vereinigung für politische Bildung, Geschichtslehrerverband), befreundeten Organisationen ( SoVD, Heimatbund) und dem Friedrich- Verlag zusammen. Dies ist erfolgreich und hat vor allem in den Gebieten des ehemaligen Regierungsbezirks Weser- Ems auch zu einer deutlichen Zunahme bei Spenden- Sammlungen geführt. Der Sparzwang führt nun dazu, dass Niedersachsen statt der bisherigen vier nur noch einen Schulreferenten haben darf. Bei Auslaufen von Verträgen oder freiwilligem Ausscheiden darf eine Stelle nicht wieder besetzt werden. 

Ich habe daraufhin auf Anraten des ehemaligen MP Mac Allister mit VW gesprochen und eine erste Spende von 30 000 Euro für eine in Hannover frei gewordene Stelle erhalten. Ich hoffe auf eine Ergänzung. Eine zweite Stelle, die in Lüneburg, ist durch Wegbewerbung mit Volksbundgeldern nicht wieder besetzbar. Ich habe mich seit gut einem Jahr mit dem Kultusministerium (Althusmann und Heiligenstadt) und dem Innenministerium (Schüneman und Pistorius) bemüht, aus diesen Ministerien je eine Stelle zu generieren, um die inhaltliche Arbeit in Niedersachsen kontinuierlich inhaltlich fortzusetzen. 

MP Weil sowie die Minister Heiligenstadt und Pistorius haben prinzipielle Zustimmung signalisiert.

Ich bin in Gesprächen mit den Landtagsfraktionen, um die haushaltsmäßigen Voraussetzungen für das Haushaltsjahr 2014 dafür zu schaffen.

Als Landesvorsitzender des Volksbundes in Niedersachsen hoffe ich darauf, dass die Mitglieder der PVN ihren Einfluss geltend machen, um diesem Anliegen des Volksbundes Unterstützung zu gewähren.

Die Erfahrungen beim Besuch der JBS auf dem Golm, das zu über einem Drittel von niedersächsischen Schulen, Reservisten und Lehrkräften genutzt wird, haben die pädagogischen Möglichkeiten offenbart.